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Cover Faller Nr. 843Zuerst muß die Schuldfrage geklärt sein. Irgendwer oder irgendwas muß schließlich schuld sein, man muß ja wissen, wen man im Falle des Scheiterns verantwortlich machen kann. ;-)

Den allerersten Anstoß - und damit quasi die „Urschuld“ - kann ich ruhigen Gewissens einer Artikelserie in 2015 einer bekannten Miniaturbahnzeitschrift zuweisen, die einen Modellbauwettbewerb ausschrieb. Das wäre doch etwas, nach Jahren der Praxisabstinenz ein überschaubares „Theaterszenario“ zum Angewöhnen und Üben. Nur (abgesehen von der realistischen Einschätzung meiner Fähigkeiten, die längst nicht wettbewerbsreif sind): a) wo kann ich das fertige Teil hinterher aufbewahren und b) läßt sich das in eine geplante Anlage integrieren? Nachdem die Antwort zu a) „keine Ahnung, weil kein passender Platz vorhanden“ und zu b) eindeutig „nein“ war, war das Projekt denn gestorben.

Dieses jedenfalls. Was nun? Schuldfrage geklärt? Nicht ganz.

Beim Aufräumen und Einräumen meines Hobbyraumes fiel mir ein älteres Heft von Faller aus dem Jahre 1988 in die Finger: „Dioramenbau leicht gemacht“. Wie gebannt starrte ich auf das Titelbild. Die Modelle habe ich doch und wollte sie schon immer als Ensemble aufbauen, fand jedoch nie den geeigneten Anlagenplatz. Da könnte man doch, da sollte man doch, wo sind denn die Dinger bloß?

Die besagten „Dinger“ warteten seit Jahren in Kartons auf dem Speicher zum Anlageneinbau. Und seit einigen Monaten standen die Kisten zwischengelagert am alten Wohnort, weil sich nach dem Umzug letzten Sommer noch kein geeigneter Platz hier im Haus gefunden hatte. Aber je länger ich das Titelbild betrachtete, dazu einige weitere Fotos im Innern der Schrift, um so kribbeliger wurde ich. Schließlich gab es kein Halten mehr. Auto angeworfen, 10 km gefahren, die Umzugskartons mit den Modellbahnhäusern herausgesucht und in den Wagen geladen, zurück ins neue Heim und die Modelle ausgepackt. Zumindest Regalplätze waren inzwischen vorhanden. Da kamen Schätze zum Vorschein, von denen ich gar nicht mehr wußte, daß ich sie besitze. Und im letzten Karton schließlich fein säuberlich, mit ob der jahrelangen Lagerung nur geringen Schäden, die Klosterkirche und die Wirtschaftsgebäude vom Faller Exclusivmodell 1986, dem „Klosterhof B-350“.

Und damit stand es endgültig fest: nachdem ich über zehn Jahre nur „theoretischer Modellbahner“ (also Zeitschriften- und Bücherlesender) gewesen war, sollte ein Diorama mit eben diesem Klosterhof der Wiedereinstieg ins „praktische Modellbahnerdasein“ sein.

Ich erinnere mich, daß mich dieser Bausatz schon beim ersten Entdecken im Faller-Katalog (bzw. einem Messebericht) fasziniert hat. Aber erst 1988 habe ich mich entschlossen, den zu diesem Zeitpunkt bereits ausverkauften „Klosterhof“ zu erwerben. Ich entsinne mich noch, wie ich nach mehreren vergeblichen Versuchen schließlich in einem Modellbahngeschäft in Frankfurt/M. danach fragte - dort war tatsächlich noch ein einziges Exemplar am Lager, und zwar die "Luxusausführung" mit Geläute. Nach kurzer Überlegung (und mit Genehmigung meiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau) erstand ich den Bausatz, der in den folgenden Monaten zusammengebaut wurde.

Aber wie das im Leben manchmal so geht, wurden dann die Planungen mehr oder minder stark durcheinander geworfen, so daß es beim Zusammenbauen der einzelnen Gebäude blieb; sie haben es bis heute nie zu einem fertigen, in eine Anlage integrierten Ensemble gebracht. Standen sie zunächst einzeln im Zimmer, um sie wenigstens im Blick zu haben, mußten sie sich bald wegen eines anstehenden Umzugs mit einem Quartier in Kartons begnügen. Und in selbigen verbrachten die Modelle dann die nächsten rund dreiundzwanzig Jahre. Bis es nun nach einem weiteren Umzug allerhöchste Zeit wurde, sie aus der Verbannung zu befreien und ihnen endlich das gebührende Umfeld zu schaffen.

Und so wurden Kirche, Pfarrhaus und Wirtschaftsgebäude aus ihren Verpackungen befreit, eine Grundplatte besorgt und erste Stellversuche verschiedener Variationen unternommen. Den weiteren Weg bis hin zum hoffentlich irgendwann fertigen Diorama will ich in den kommenden Monaten in Wort und Bild entsprechend dem Planungs- und Baufortschritt beschreiben.

In Kürze folgen erste Fotos vom „Urzustand“ mit den ersten Planungs- und Stellversuchen der Gebäude.